Aus einem Spex-Interview vom März des Jahres:
Also war früher doch alles besser?
“In meiner Jugend war Musik trotz aller gesellschaftlichen Vorbehalte etwas Besonderes, für das du dir bewusst Zeit genommen hast, um es zu genießen. Und du musstest lange nach anderen Menschen suchen, die diese Liebe teilten und dieselben Bands hörten wie du. Wir diskutierten über Musik, wir nahmen sie ernst. Demgegenüber hat die Musik heute viel von ihrer identitätsstiftenden Kraft verloren….”
Genau. Früher ging man in ein Konzert und stand im Dunkeln, umgeben von anderen Fans, man ließ sich auf die Musik ein und zollte den InterpretInnen 1-2 Stunden lang Respekt.
Heute im Gasometer war die Stimmung eher wie auf einer Party: alle zwei Minuten zwängte sich jemand mit bis zu drei vollen Bierbechern an einem vorbei, dann wieder zwängten sich die selben zum Klo und retour. Dazwischen wurde gequatscht, gelacht, weiter weg Stehenden Zeichen gegeben, gesimst, fotografiert, das ganze Programm.
Frage: Warum bleiben all die Hyperaktiven, die es keine Minute ohne Bierglas in der Hand aushalten und sich auf nichts länger als 3 Minuten konzentrieren können, nicht schön daheim, sparen sich die rund 35 EUR für den Eintritt, kaufen sich irgendwann die Live-Auftritt-DVD, betrachten diese ohne Ton, plaudern, essen Chips und trinken Bier, was das Zeug hält, und dabei könnten sie auch noch gemütlich chatten und simsen ohne dass sie wer so böse ansieht wie ich heut. Wär doch die bessere Alternative für alle, oder?
Andererseits hat der gute alte Herr auf der Bühne auch nicht gerade zur gesteigerten Konzentration beigesteuert. Starallüren hin oder her, jemand, der sich 2x umzieht während einer Stunde, dauernd dem Publikum den Rücken zudreht und das ganze mit einem (in Zahlen: 1) Zugabe-Song quittiert, verdient vielleicht nicht, dass man sich wirklich voll auf ihn konzentriert?
Abgesehen davon ist das Gasometer ohnehin eine Zumutung: schlechte Lüftung, nervige Security, Bars an allen Ecken und Enden und dann auch noch komplett übersteuerter Sound, vor dem schon im Vorfeld gewarnt wird (“Benützen Sie Lärmschutz – Ohropax an der Garderobe erhältlich!”).
Eher keine Empfehlung.