Drei Tage in Graz und zwei Filme, die damit in Zusammenhang stehen:
“Kleine Fische” war der Eröffnungsfilm der Diagonale 2009, die dieser Tage in Graz stattgefunden hat (*wir* haben natürlich keine Karten bekommen, weil wir eigentlich nur im gleichen Hotel wie die hippen Medienmenschen abgestiegen sind, aber sonst schon nichts mehr gemeinsam hatten).
Der andere Film war “Der Knochenmann”, der im Buch in der Steiermark spielt und deswegen auch in Graz gesehen werden wollte. Allerdings stellte sich schon in der ersten Viertelstunde heraus, dass die Backhendlstation “Löschenkohl” in Wirklichkeit in Gloggnitz ist und damit Niederösterreich nahe dem Semmering. Völlig andere Kultur also. Hätten wir doch in Liesing sehen sollen. Naja.
However, beide Filme, so unterschiedlich allein vom Genre her sie auf den ersten Blick sind, handeln vom Generationswechsel im Familienbetrieb, der eine ist eine Fischhandlung, der andere ein Wirtshaus mit unwahrscheinlicher Knochenzerkleinerungsanlage im Keller (die es so eh nicht gibt, man kann also wieder beruhigt in 50er-Jahre-Furnier-Hotelbetten schlafen). Offenbar treten bei so einem Generationswechsel immer Probleme auf, sei es, dass der Vater von selbst stirbt, sei es, dass er umgebracht wird – die Söhne tun sich mit der Nachfolge schwer. Hat wohl auch Parabelcharakter für die heutige Zeit (obwohl natürlich, wie D.s Deutschlehrer richtig bemerkte, eine Parabel zeitlos ist): wessen Erbe treten wir derzeit an und wer will unseres eigentlich haben – auch höchst problematische Themen…
Naja. Graz ist jedenfalls großartig. Kaum woanders liegen Hui und Pfui so eng beieinander, die Kunstwelt, teuer subventioniert, gibt den herumstreunenden Arbeitslosen die Hand. Derweil tranken wir Kaffee auf der innenblauen Murinsel und genossen die ersten warmen Sonnentage. Wiederholenswert.