Zu meinem Geburtstag 1987 schrieb mir meine Freundin Otschko eine Widmung in das, was ein lebenslanges Lieblingsbuch werden sollte: “Es gibt Zeitenlöcher, dies ist so eines, hier und jetzt. Wir dürfen es nicht ungenutzt vergehen lassen.” Und das haben wir nicht, Otschko, bis heute nicht.
Das Buch ist Christa Wolfs “Kassandra”, und heute fallen die geklebten Seiten auseinander, während ich es durchblättere auf der Suche nach Unterstrichenem. Aber ich hab nichts unterstrichen, und ich weiß auch, warum: weil jeder Satz ein Juwel ist. Ich kann es noch immer irgendwo aufschlagen und lesen, es atmet Sinn:
“Jetzt kann ich brauchen, was ich lebenslang geübt: meine Gefühle durch Denken besiegen. Die Liebe früher, jetzt die Angst.”
“Damals begann, was dann Gewohnheit wurde: Ich stand und sah.”
Und ich weiß jetzt, wer mich den exzessiven Gebrauch von Doppelpunkten gelehrt hat.
Christa Wolf ist heute 80. (Biographie)
2 Antworten bis jetzt ↓
1 Jann // 25. März 2009 at 22:10
Ein Buch, das solch einen Eindruck auf dich gemacht hat, werde ich mich lesen müssen. Daher, habe ich heute die englische Version von Amazon bestellt. :-)
2 Sandra // 31. März 2009 at 20:01
Super! :-) Viel Spaß beim Lesen!