Yma Sumac, eine der eigenwilligsten, unverwechselbarsten Sängerinnen der 1950er Jahre, ist verstorben. Als Zoila Augusta Emperatriz Chavarri del Castillo im Jahr 1922 in Peru geboren, erregte Sie erstmals im Jahr 1950 Aufsehen, als ihre Debut-LP Voice of the Xtabay erschien. Zu üppigen Orchesterarrangements, die der “König des Easy Listening” Les Baxter entworfen hatte, wurde der unvorbereitete Zuhörer mit kaum fassbarer Stimmakrobatik konfrontiert: viereinhalb Oktaven umfasste Sumacs Stimme, und die Platte schien darauf ausgelegt, in jedem Lied den gesamten Umfang voll auszuschöpfen. Baxter schaffte es dabei, eine unverkennbar amerikanische Pseudo-Exotik zu schaffen, die von dem Gerücht, Sumac sei eigentlich eine Inka-Prinzessin, unterstützt wurde. Der Covertext erklärte, “Xtabay” sei die ursprüngliche weibliche Energie, die Platte wurde so zu einem Mythos exotischer Femininität stilisiert. Voice of the Xtabay wurde zu einem großen Erfolg; es handelt sich um die einzige Aufnahme aus dem Katalog von Capitol Records, die seit ihrem Erscheinen 1950 durchgehend erhältlich war.
Auf den Erfolg von Voice of the Xtabay folgten weitere Platten, die zwar nicht ganz an das Debut herankamen, aber dennoch weiterhin eine einzigartige Exotik verströmten und Sumacs Stimme eindrucksvoll Raum verschafften. Nach Inca Taqui, das Sumacs behauptete Inka-Abstammung weiter stilisierte (und in weiterer Folge zu dem – unwahren – Gerücht führte, Yma Sumac hieße in Wahrheit Amy Camus und sei eigentlich eine Hausfrau aus Brooklyn), erschien im Jahr 1954 Mambo! Wie sowohl der Titel als auch das dazugehörige Rufzeichen schon andeuten, handelte es sich dabei um acht unbändige Mambos, bei denen “Zurückhaltung” ein absolutes Fremdwort war. Die Arrangements stammen von Billy May, der schärfere Blechbläser einsetzt, als jedes Ohr erlaubt, und Sumac singt mit Stimmeffekten, die zum Teil an die Muppet-Show und zum Teil an die Königin der Nacht aus Mozarts Zauberflöte erinnern. Das ist mehr Mambo, als ein psychisch Gesunder verträgt, verpackt in einem einzigartigen Plattencover, das die Platte wohl zu einem unbedingten “Muss” bei jeder Party der 1950er und 60er Jahre machte.
Gegen Ende der 1950er Jahre begann Sumacs Stern etwas zu verblassen. Späteren Aufnahmen, wie etwa Legend of Jivaro, dessen Covertext behauptete, Sumac und ihr Ehemann Moises Vivanco wären dafür in den tiefsten Amazonas-Dschungel gereist und hätten dort die Musik der Jivaro-Kopfjäger recherchiert, fehlt etwas die Spannung, und wohl auch der Neuheits-Effekt; bei dieser Platte besticht das Plattencover fast mehr als die Musik. Die Inszenierung der exotischen Inka-Prinzessin unter den Kopfjägern neben einem dampfenden Kessel ist jedenfalls bestechend. Auch wenn die Plattenverkäufe zurückgingen, war Sumac immer wieder auf Bühnen in und außerhalb der USA anzutreffen. Obwohl ihr Stimmumfang mit zunehmendem Alter abnahm, war ihre Bühnenpräsenz bis zuletzt beeindruckend. Ab den 1970er Jahren trat sie zwar nicht mehr regelmäßig auf, war aber immer wieder live zu sehen, zuletzt noch im Alter von 75 Jahren beim Jazzfestival von Montreal 1997. In den letzten Jahren lebte Sumac sehr zurückgezogen; sie behauptete stets, nach Peru zurückgekehrt zu sein, und erst nach ihrem Tod stellte sich heraus, dass sie die ganze Zeit in Los Angeles gelebt hatte.
Yma Sumac, die “Nachtigall der Anden”, erlag letzten Samstag im Alter von 86 Jahren einem Krebsleiden.