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Wenn Sie jemals in Drosendorf sind…

13. Juli 2008 · Keine Kommentare

Eigentlich wollte ich ja gestern an dieser Stelle das Konzert des Jazzsaxophonisten Herwig Gradischnig ankündigen, das heute bei freiem Eintritt im Arkadenhof des Rathauses stattgefunden hat. Leider habe ich drauf vergessen, und darum ist Ihnen leider ein ganz feines Konzert entgangen.

Das Saxophon-Trio (Saxophon, Kontrabass, Schlagzeug) ist eine interessante Form, erfordert von den Musikern aber eine ganze Menge Können, da es bei so einer Besetzung nicht möglich ist, sich hinter irgend jemandem zu verstecken, vor allem, weil es ja kein Klavier gibt, das die Sache etwas “runder” machen würde. Gute Trios sind dann dafür aber meistens oft ziemlich gut — man höre sich etwa die CD Motion von Lee Konitz an, aber auch Sonny Rollins’ A Night at the Village Vanguard ist eine extrem feine Sache, und die Nummern, die John Coltrane im Trio aufgenommen hat, etwa “Chasin’ the Trane” von Live at the Village Vanguard (dort wurde offenbar gerne im Trio gespielt), sind auch eindrucksvoll.

Herwig Gradischnigs Ghost TrioGradischnig war mit seinem “Ghost Trio” heute jedenfalls ziemlich gut drauf. Besser als beim letzten Konzert, bei dem ich ihn gesehen habe. Damals wirkte er auf der Bühne des Porgy & Bess etwas blässlich, und seinem Spiel fehlte ein wenig der Punch. Die Sache klärte sich dann auf, als er zwischen zwei Nummern zum Mikrophon griff und sagte: “Bitte tun Sie mir einen Gefallen. Wenn Sie jemals in Drosendorf sind, im Waldviertel, essen sie dort keine Pizza mit Meeresfrüchten. Wirklich nicht. Bitte.”

Gradischnigs Warnung ist hiermit weitergegeben. Wenn Sie hören wollen, wie er klingt, wenn er sich nicht gerade den Magen verdorben hat, dann könnten Sie, wenn Sie sich nicht auf meine unzuverlässigen Ankündigungen verlassen wollen, zum Beispiel seine aktuelle CD kaufen (oder in iTunes probehören). Der fehlt zwar ein wenig die Unmittelbarkeit eines Jazz-Konzertes, aber Gradischnig und seine Sidemen Matthias Pichler und Klemens Marktl spielen mitreißend und einwandfrei, gerade schräg genug, um nicht eintönig zu sein und gerade nicht zu schräg, um jemand zu verschrecken. Bislang meine Lieblings-Jazz-CD dieses Jahres.

Kategorien: Musik

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