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Bratislava

28. Juli 2008 · 1 Kommentar

Die 450.000 EinwohnerInnen starke Hauptstadt des erst seit relativ kurzer Zeit selbständigen Staates Slowakei – Bratislava – ist von Wien aus wie zu Zeiten vor dem zweiten Weltkrieg schnell mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar (früher verband eine Straßenbahnlinie die zwei Städte): mit dem Twin City Liner kann man gegen 22.30 selbst nach einem Kulturabend nach Wien zurück bzw. fahren stündlich auch Züge, merkwürdigerweise zum Südbahnhof.

An dem einzig schönen Tag der vorangegangenen Woche erreichen wir unser Tagesausflugsziel gegen 14 Uhr, wandern durch den geschniegelten alten Stadtkern, rechnen um, was das Essen kostet, trinken Erdbeer-Smoothie, hören Straßenmusik und fühlen uns angesichts der gepflegten historischen Bauten fast wie zuhause. Erst beim empfehlenswerten Aussicht Geniessen von der Burg aus entsteht deutliche Irritation, denn auf der anderen Seite der Donau erstreckt sich der Stadtteil Petrzalka, der ausschliesslich aus sozialistischen Plattenbauten besteht, und danach fällt uns immer öfter das Nebeneinander der K.u.K.-verklärenden Bezüge und der doch aus dem Stadtbild nicht wegzudenkenden Beispiele des sozialistischen Realismus auf, anachronistische Reste der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik, wovon der von baufälligem Beton zusammengehaltene Bahnhof der herausragendste seiner Art ist.
Apropos Bahnhof. Soziologisch interessant war das Verhalten der deutlich noch an die Arbeitsmoral der sozialistischen Republik gewöhnten Schalterbeamtin: zuerst gelangweilt, unzuvorkommend, unbeweglich und stur. Als ich aber darauf bestand, mit meiner Vorteilskarte der ÖBB wohl irgendeine Ermäßigung beanspruchen zu können, und so ihre Ruhe störte, wurde sie zunehmend renitent, gab vor, mich nicht mehr zu verstehen, flüchtete vom Schalter zum Telefon (ohne Ergebnis), und als ich sie nach ihrem Namen fragte, warf sie das Namensschild auf den Boden, mit der Gestik und Mimik einer Vierjährigen. Beschwerdemanagement wird also großgeschrieben.

Kategorien: Leute · Orte

1 Antwort bis jetzt ↓

  • 1 dieter // 4. September 2008 at 07:48

    Dass die Züge zum Südbahnhof fahren, ist gar nicht so merkwürdig, denn eigentlich fahren sie ja zum Ostbahnhof, und wie jeder weiß, der vor 1989 seine Schulbildung genossen hat, liegt Bratislava von Wien aus gesehen im Osten ;-)
    Bleibt nur noch die Frage, wer heute noch weiß, dass die Bahnsteige 1-9 des Südbahnhofes bis vor kurzem noch Ostbahnhof hießen.