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Rezensionen und Ereiferungen

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Wo die Klischees nicht wuchern

22. April 2008 · 3 Kommentare

JunoAlle heiligen Zeiten sieht man einmal einen amerikanischen Film, in dem nicht die Klischees wuchern. Noch viel seltener sieht man amerikanische Komödien, die einen inhaltlich noch überraschen und emotional berühren können. So gut wie nie passiert es, dass so ein Film auch noch einen Oscar für das beste Original-Drehbuch bekommt. Und dieses Jahr ist es dann passiert.

Ein Film ohne Prätenziösität, ohne absolut vorhersehbare Handlung, mit jungen Schauspielern, die eine herzhafte Frische an den Tag legen und ein Thema, bei dem normalerweise der Zeigefinger weit in den Himmel gestreckt ist, erstaunlich vorurteilsfrei behandeln.

Juno von Jason Reitman (Regie) und Diablo Cody (Drehbuch) handelt von einer 16jährigen, die unerwartet nach dem ersten Sex schwanger wird, beschließt, das Kind zu behalten, sich auf die Suche nach Adoptiveltern macht und dabei feststellt, wie fragil zwischenmenschliche Beziehungen sein können. Auf diesem Weg kratzt der Film elegant sämtliche Kurven, die eine Komödie haben kann, und das liegt zum Teil daran, dass einige der Kurven elegant umgangen werden. Typische stereotype Handlungselemente (z.B. Eltern sind böse und verstoßen sie) werden als Möglichkeiten in den Raum gestellt, finden aber dann nicht statt; Konflikte werden ohne Schreiduelle oder peinliche Offenbarungen des Innenlebens gelöst, sondern wesentlich realistischer dadurch, dass die Figuren einfach ehrlich miteinander sprechen. Am Ende bleibt dem Zuseher sogar noch der Druck auf die Tränendrüse erspart.

Dass ein Film, dem scheinbar alles fehlt, was amerikanische Komödien der letzten 20 Jahre ausmacht, dennoch so gut funktioniert und bei Kritik und Publikum auf derartige Resonanz stößt, hat einerseits damit zu tun, dass es ein schlüssiger, intelligenter Gutfühl-Film ist, der in flottem Tempo eine an sich sehr simple Geschichte erzählt, andererseits hängt dies natürlich mit einem hervorragenden Schauspielerensemble zusammen. Allen voran Ellen Page als Juno, die ihrer Figur eine unglaubliche Charakterdichte verleiht; aber auch Michael Cera als schüchterner, leicht überforderter Kindsvater Paulie Bleeker kann überzeugen. Jennifer Garner ist nach fünf Staffeln Alias in meinem Kopf noch sehr als Sidney Bristow gespeichert, konnte mich als leicht neurotische Adoptivmutter aber so sehr überzeugen, dass schon zur Mitte des Films jede Spur der alten Rolle verflogen war, und J. K. Simmons und Allison Janney bilden als Junos Eltern ein großartiges emotionales Fundament.

Äußerst empfehlenswert.

Kategorien: Film

3 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 Jann // 22. April 2008 at 19:06

    Ich gehe nicht oft ins Kino. Vielmals ist es zu laut, sodass man Ohrstöpsel braucht. Ich setzte zwei Stunden mit den Finger in die Ohren. Das stimmt! Sind alle jungen Amerikaner schwerhörig? Dieser Film lohnt sich. Wahrscheinlich werde ich den Film mieten.

  • 2 Sandra // 23. April 2008 at 07:09

    Die Kinos in Wien sind eigentlich nicht übertrieben laut. Eher die Leute, die rundherum sitzen, z.B. die Jugendlichen, die nebenbei die ganze Zeit sms bekommen und schreiben; oder die älteren Damen, die sich permanent unterhalten und sich gegenseitig den Film erklären (”Na da schaut er aber jetzt!”) - sowas stört mich :-)

  • 3 Jann // 26. Mai 2008 at 21:49

    Vor etwa zwei Wochen, als ich im Laden, Target, war, fand ich mich zufällig bei den DVDs. Ich kaufte den Film, “Juno,” und genoss ihn. Er war ganz wie du beschrieben hattest. Mein Schwiegersohn genoss ihn auch. Meine Tochter hat ihn noch nicht gesehen.

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