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Rezensionen und Ereiferungen

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Function Follows Form – Das Gogers

29. März 2008 · Keine Kommentare

Ein Designhotel für GolferInnen mit ökologischem Anspruch wird von uns Wiener Imagemuffeln besucht und beurteilt:
Schön und neu, hell und merkwürdig gewunden, das sind die ersten Eigenschaften, die einem auffallen. Bis man sich vorstellen muss, wie unpraktisch (und das ist das Wort, das den Aufenthalt überdauert: unpraktisch) das liftlose, durch Schlauchgänge verbundene Hotel, das ein bisschen Hobbits-Flair versprüht ob seines Eingebettetseins in einen Erdhügel, für das Personal sein muss. Wie sehr sie sich plagen müssen, die blaue Plastikrinne entlang unseres tageslichtdurchfluteten Schlauchganges sauber und die Kiesel am Rand der Gehwege in Schach zu halten. Dennoch sind sie alle superfreundlich, unauffällig und hochprofessionell.

Aber auch uns Gästen wird Unterwerfung unter das Diktat des Designs im hellen, geräumigen Zimmer mit begehbarer Garderobe und uneinsehbarem kleinen Balkon abverlangt. Wunderbar gerundet (Hundertwasser würde jauchzen) liegt das Bett versenkt in einem edlen Holzpodest und ist nur ein bisschen umständlich beim Aufstehen oder wenn man sich beim Weggehen die neben der Bettlampe hingelegte Armbanduhr holen will: man kriecht eben ein bisschen.
Ansonsten fällt eher das auf, was fehlt, um nicht das Design zu beunruhigen. Z.B. ein Stuhl, auf dem man sich beim Schreiben am Pult schön anlehnen könnte, wenn man Papier und einen Stift hätte, aber bitte, es ist ja nur 4-Stern. Und im riesigen, ebenfalls tageslichthellen Bad wünscht man sich mindestens noch einen Kaffeehaustisch samt Sessel, auf denen man die nassen Sachen (Thermenregion! Wellnessbereich!) ausbreiten könnte. Ein Wäscheständer bzw. eine entsprechende Designversion davon würd’s aber auch tun.

Und im eigentlichen Duschbereich (mit einer riesigen Giesskanne oben und einem röhrenförmig abschliessenden Duschschlauch extra fürs Feine) kann man sich nur freuen, das das Hotel nigelnagelneu ist – von der hübschen indirekt beleuchteten Grünglasbank fliesst das Wasser nicht ab und bald, sehr bald, wird es hier von hübschen kontrastfarbenen Pilzen wimmeln, ebenso im völlig unzugänglichen Abflussbereich unter der Sitzbank, wohin einem hoffentlich nie die Seife rutscht, was aber durchaus möglich ist, denn eine Ablage dafür gibt es genausowenig wie ausreichend Handtuchhalterungen – ruhige, glatte Formen überwiegen eben, bitte keine Mätzchen!

Zusammenfassend könnte man sagen: ein von einem Mann geplantes, nicht auf Putzen oder ähnliche reproduktive und praktische Tätigkeiten angelegtes Design prägt den Aufenthalt im Gogers. Das Bett ein wenig zu weich, das Personal ein wenig zu kühl, lässt es aber hinsichtlich Lage, Licht, Frühstücksgenuss und Wellness (Aussen-Whirlpool! Sauna mit Aussicht!) nichts zu Wünschen übrig. Ein gelungenes Osterwochenende.

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