Wenn man schon im Rhythmus bestimmter Lieder des gleichen Albums träumt und dann dazu aufwacht, wird es bedenklich: möglicherweise hab ich Kreisky zu oft gehört in den letzten Tagen (”Meine Schuld, meine Schuld, meine große Schuld“).
Insbesondere “Dow Jones” (Wann kommen wir endlich heim?) und “Asthma” (Du wirst es nicht glauben, aber seit du weg bist, ist mein Asthma so gut wie verschwunden), aber auch “Glitzer” (Zuerst waren wir noch König und Königin von Bibione) wirft mich um.
“Die dummen Schweine” ist für mich allerdings ob seiner Mysogynie fast unhörbar, wobei das Verhältnis des Autors zu den Frauen eh irgendwie unreif wirkt - das ist beängstigend und faszinierend zugleich: soviel Energie, wie diese persönlichen Disharmonien generieren, kann nicht gleichgültig lassen.
Und dann denk ich an den Aufritt, den wir nur zufällig in Erwartung von Kettcar gesehen haben, “Die Band heisst Kreisky” hieß es, und dann ging es los, 4 Typen in dunklen Anzügen spielten ihr ureigenes Zeug, ohne Rücksicht auf irgendwen, am wenigsten sich selbst. Der Sänger exaltiert wie Falco anno dazumal, verrenkte seine Hände, zuckte und gab sich seinem geifernden Zynimus hin - genial. Umso erstaunlicher, wie wir ihn dann im Radio bei einem Iterview hörten: klang völlig normal, wie so ein netter Nachbar.
Also nochmal: faszinierend.
Und kann man so eine Band überhaupt zu oft hören?
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Jim Jarmusch‘ neuer Film macht gute Laune.
Erdige Bilder von Spaniens Stadt und Land vermitteln die Lust am Reisen, seit “Permanent Vacation” ist der Amerikaner der Meister des Road Movies, noch vor seinem Lehrer Wim Wenders, meiner Meinung nach.
Hier ist der Held im Auftrag der subjektiven Realität unterwegs, und “jene, die glauben, dass sie mehr bedeuten, sollten sich mal am Friedhof umschauen”. Er ist schweigsam und ultracool, isst so gut wie nicht, schläft nicht, schwitzt nicht, hasst Handys und Waffen und bestellt immer zwei Espressi gleichzeitig. Außerdem geht er öfters ins Museum und macht es dort wie ich manchmal: ein bestimmtes Bild anschauen und dann wieder rausgehen (besonders gern mach ich das übrigens in der Londoner National Gallery). Sein jederzeit perfekter Anzug ist aus Molekülen, die sich immer wieder erneuern, und die Dinge, die er sieht und hört, bestehen aus Molekülen, in denen frühere Zeiten gespeichert sind. Er trifft Leute, die sich für Musik, Film, die Wissenschaft, Malerei und halluzinogene Drogen interessieren - sie tragen Sonnenbrillen, die die Wirklichkeit verändern. Schliesslich dringt er dank seiner Imagination in die Hochsicherheitszone ein und bringt endlich die zynische alte Ihr-wisst-ja-nicht-was-wirklich-die-Realität-ist-Figur (gespielt vom guten alten glatzköpfigen Bill Murray) um die Ecke, worauf er zurückkehrt in seine Subjektivität: No Limits No Control.
Superbes Kino. “Manchmal weiß ich nicht, ob ich ein Bild geträumt habe, oder ob es in einem Film vorgekommen ist.” Und so ist auch dieser Film ein Traum, und als Traum zu deuten. Wer das nicht tut, wird sich langweilen (wie einige Kritiker, wie ich bereits bemerkt habe). Und wer sich mit Film wirklich auskennt, wird noch mehr Vergnügen haben als ich, davon bin ich überzeugt.
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