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Schneesturm

7. Februar 2012 von Sandra · 2 Kommentare

Die Wege sind durchgefroren, der Gegenwind streut Eisnadeln ins Gesicht.
Abgerissene Äste zufrieden zwischen Kieseln ins Eis gebettet.
Aus Schneewehen lugt totes Gras, zittert im Wind, bricht.

Schwärme kleiner Vögel fliegen mit dem Schneesturm, bleiben in Dornenbüschen hängen, schaukeln, den Ernst der Lage verkennend.
Auf schneefreien Flecken der aufgerauhten Felder finden sie wieder zusammen.

Heute kommt niemand auf den Friedhof: das Land gehört den Toten.
Und den Hundebesitzerinnen.

→ 2 KommentareKategorien: Landleben · Poesie · Spaziergang

Gelobt sei die Drängel-Kompetenz

17. Dezember 2011 von Sandra · 3 Kommentare

Was den BurgenländerInnen trotz aller Vorzüge, die sie haben, absolut abgeht, ist die Drängel-Kompetenz. Ich nenn das mal so, mangels bekannter Bezeichnungen.

Dass sowas existiert, merkte ich am Samstag vor dem 1. Advent (auch “1. Einkaufssamstag” genannt, da Weihnachten sich ja immer ungenierter als Fest des heimischen Konsums outet, aber das nur am Rande). Also an diesem Samstag ging ich aus beruflichen Gründen die zur Fußgängerzone erklärte, völlig überbevölkerte Wiener Mariahilfer Straße entlang, in einem angemessenen Tempo (denn irgendwie passiert das automatisch, das angemessene Tempo), und erlebte, dass mich niemand rempelte, nicht einmal streifte, ohne dass ich jemals ausweichen musste.

Wie von Zauberhand geleitet, wie von übermenschlichen Fühlern dirigiert, wichen die Menschen bereits einige Meter vor dem Moment, wo unsere Bahnen sich kreuzen würden, in eine kollisionsfreie Umlaufbahn aus, und man tänzelte weitläufig und wie es schien, mühelos aneinander vorbei.

Das ist nach über einem Jahr Burgenland-Leben die erste Wohltat, die ich in der Stadt erleben durfte.
Und dass ich das erleben durfte, liegt an der sagenhaften Drängel-Kompetenz der WienerInnen, die sicherlich nicht den Vergleich mit anderen Millionenstädten zu scheuen braucht, und die ich bis vor wenigen Monaten noch wie selbstverständlich gewohnt war.

Denn: so wenig Menschen das Burgenland im Vergleich auch hat, und egal wie wenige davon auf der Straße unterwegs sein mögen, irgendwie werden sie es schaffen, einem im Weg zu stehen und dadurch zwingen, ihnen auszuweichen oder erbarmungslos mit ihnen zusammenzustoßen (was sie kaum zu stören scheint).

Hier in und rund um die Metropole Eisenstadt bewegen sich die Menschen so, als wäre weit und breit nichts außer ihrem eigenen Körper unterwegs, und das gilt auch für Kinderwägen, Traktoren, Autos. Sie wähnen sich allein auf weiter Flur und nehmen so gar keine Notiz von anderen, die den Gehsteig oder die Straße, den Parkplatz o.w.a.i. mit ihnen teilen könnten. In aller Seelenruhe gehen und stehen sie, schießen aus Parklücken hervor, schneiden einen, versperren den Weg mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Hilfsmitteln, starren in die Luft oder sonst wohin und ignorieren alle, die ihre Illusion stören könnten.

Ich bin nicht sicher, ob ich es bewundern soll oder ob es ok ist, zuzugeben, dass es mich zum Wahnsinn treibt.

→ 3 KommentareKategorien: Einkaufen · Landleben · Leute

Gute Nachrichten

4. Mai 2011 von Sandra · Kommentare deaktiviert

logo bezirkszeitungDas Landleben ist voll guter Nachrichten. Sie kommen direkt in den Briefkasten, so ungefähr um 13.30, und kosten nichts!
Es sind Flugblätter diverser Parteien über die Beschlüsse des Gemeinderats, die Höhe des Budgets, die Planung der Schulsanierung. Es konnten Einigungen diesbezüglich erzielt werden!
Es sind Nachrichten über Neueröffnungen, Aktionen, Henderl- und Haxn-Wochen, Heurigenöffnungszeiten. Ankündigungen des Christbaum- und sonstigen Holz-Sammelns, des Osterfeuers, der Tamburizza-Gruppe.

Und die Königin aller guten Nachrichten ist das Bezirksblatt, das ebenfalls kostenlos mit den neuesten Tratsch- und Lachgeschichten ins Haus flattert. Die Hauptstadt des Burgenlandes scheint ein Lärmproblem zu haben, ein Pensionist, der seit 50 Jahren im Zentrum wohnt, hat schon Dutzende Unterschriften gegen laute Motorräder und zuknallende Autotüren gesammelt. Ebenso wehren sich BürgerInnen in Wulkaprodersdorf gegen eine als unsinnig beurteilte neue Bahntrasse, die nur 7 Minuten Zeitersparniss bringen würde und deshalb ihr Geld nicht wert sei – die Gemeinde, die das Projekt ursprünglich vorgeschlagen hat, “könnte damit leben”.
Außerdem erfahre ich, dass man für Quads doch irgendeine Art von Führerschein braucht, in Purbach am Kirschblütenwanderweg ein neuer Kirschblütentee kreiert wurde, der Sommer kommen kann und u.a ein kleiner Miststreuer mit vier Streuwalzen sowie eine Grabstätte in Wr. Neustadt verkauft werden. In den Stellenanzeigen wird ein Schiffsführer gesucht.

Das Gute an den guten Nachrichten ist, dass sie aus einer kleinen, überschaubaren Gegend kommen; sie betreffen uns alle hier und zeichnen ein Bild von den Menschen, die hier leben.
Es gibt auch traurige Meldungen, von Autounfällen mit Jugendlichen, alten Männern, die vom Baum fallen oder das Holz des Nachbarn anzünden, vandalisierte Ur-Reben, die Hunderttausende Euro Schaden bedeuten.
Aber auch diese Nachrichten sind “gut”, weil sie zeigen, dass nichts ausgeblendet wird, die positiven Seiten des Lebens aber die schlimmen Berichte aufwiegen.
Lesen wird attraktiver, weil man keine Angst haben muss, etwas Katastrophales zu erfahren. Und gut verheizen kann man die Blätter später dann auch.

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