Eigentlich wollte ich ja gestern an dieser Stelle das Konzert des Jazzsaxophonisten Herwig Gradischnig ankündigen, das heute bei freiem Eintritt im Arkadenhof des Rathauses stattgefunden hat. Leider habe ich drauf vergessen, und darum ist Ihnen leider ein ganz feines Konzert entgangen.
Das Saxophon-Trio (Saxophon, Kontrabass, Schlagzeug) ist eine interessante Form, erfordert von den Musikern aber eine ganze Menge Können, da es bei so einer Besetzung nicht möglich ist, sich hinter irgend jemandem zu verstecken, vor allem, weil es ja kein Klavier gibt, das die Sache etwas “runder” machen würde. Gute Trios sind dann dafür aber meistens oft ziemlich gut — man höre sich etwa die CD Motion von Lee Konitz an, aber auch Sonny Rollins’ A Night at the Village Vanguard ist eine extrem feine Sache, und die Nummern, die John Coltrane im Trio aufgenommen hat, etwa “Chasin’ the Trane” von Live at the Village Vanguard (dort wurde offenbar gerne im Trio gespielt), sind auch eindrucksvoll.
Gradischnig war mit seinem “Ghost Trio” heute jedenfalls ziemlich gut drauf. Besser als beim letzten Konzert, bei dem ich ihn gesehen habe. Damals wirkte er auf der Bühne des Porgy & Bess etwas blässlich, und seinem Spiel fehlte ein wenig der Punch. Die Sache klärte sich dann auf, als er zwischen zwei Nummern zum Mikrophon griff und sagte: “Bitte tun Sie mir einen Gefallen. Wenn Sie jemals in Drosendorf sind, im Waldviertel, essen sie dort keine Pizza mit Meeresfrüchten. Wirklich nicht. Bitte.”
Gradischnigs Warnung ist hiermit weitergegeben. Wenn Sie hören wollen, wie er klingt, wenn er sich nicht gerade den Magen verdorben hat, dann könnten Sie, wenn Sie sich nicht auf meine unzuverlässigen Ankündigungen verlassen wollen, zum Beispiel seine aktuelle CD kaufen (oder in iTunes probehören). Der fehlt zwar ein wenig die Unmittelbarkeit eines Jazz-Konzertes, aber Gradischnig und seine Sidemen Matthias Pichler und Klemens Marktl spielen mitreißend und einwandfrei, gerade schräg genug, um nicht eintönig zu sein und gerade nicht zu schräg, um jemand zu verschrecken. Bislang meine Lieblings-Jazz-CD dieses Jahres.
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Matador gehört meiner Meinung ja zum genialsten Spielzeug, das es gibt. Es mag ja sein, dass dieses Technikspielzeug, wo man aus kleinen Teilen irgendwelche Maschinen zusammenbaut, ursächlich daran Schuld sind, dass Männergehirne anders funktionieren als Frauengehirne (weil Buben eben von klein auf mit diesem Zeug spielen und daher auf wie-funktioniert-das, was-passiert-wenn-ich-das-zerlege und so Sachen getrimmt werden), aber trotzdem ist das Prinzip, dass man Holzteile mit Löchern nimmt und diese mit kleinen Holzstiften zu etwas größerem Ganzen zusammenbaut.
Vor-Üben für die Ikea-Möbel, die man später einmal auf ähnliche Weise zusammenbaut oder so.
Und eben, Holz. Kein Plastik wie bei Lego oder Fischer-Technik. Das ist deshalb so, weil Matador zu einer Zeit erfunden wurde, als es Plastik noch gar nicht gab. Den Matador-Kasten, mit dem ich als Kind gespielt habe, habe ich von meinem Vater geerbt. Pädagogisch wertvoll, österreichisch und uralte Tradition - was will man mehr? Das Produkt hat sogar einen Firmenkonkurs und eine kurze Zeit im Besitz des Zeitungstycoons Kurt Falk überlebt, der Matador mit Plastikteilen ausstatten wollte, was aber schief ging.
Seit kurzem hängt am Fenster des Holzspielwarengeschäfts ums Eck ein Partezettel, in dem über den Tod von “Rudolf Korbuly, Enkel des Matador-Erfinders” informiert wird. Ihm und seinem Großvater sei hiermit ein Gedenk-Beitrag gewidmet.
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Über thymiangesäumte Stufen durchschreitet man das pinkfarbene Tor und betritt den Portikus der Winterreithalle im Museumsquartier, stilecht mit pink Tormaschen umschlossen, wo man sich in nur leicht abgenudelte weisse Ledercouchen fläzen und (noch bis 13. Juli) in Ruhe die Ausstellung „Homo:Foul. Die besten Plakate zu Homosexualität und Fußball“ betrachten kann.

Wir trinken Prosecco mit Aperol, eine Abwandlung des italienischen Spritz (für die Fans in Südtirol: “Venetiano”), der irgendwie viel mehr Alkohol zu enthalten scheint als die südliche Variante, essen hervorragende Rucolasalate mit Parmesan bzw. sog. “Dipvariationen” (Guacamole-, Kürbis- und Schafskäseaufstrich) mit Toscanabrot, erfreuen uns überaus freundlicher und professioneller weiblicher Bedienung und sind vollends zufrieden mit diesem Abend nach einem heissen Sommertag in der Stadt.
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Wir haben es überstanden.
Weniger schlimm als vorhergesagt, auch weniger spannend und überhaupt viel kürzer als gedacht. Die Fanzonen werden abgebaut, bald ist wieder alles beim Alten.
Und danach möchte man vielleicht mehr wissen. Z.B. über die UEFA. Da kommt “Vision Europa” gerade recht, ein “lebendiges Dokument”, das ständig aktualisiert wird und aus dessen unbeschreiblichem Fundus ich unbedingt ein paar Perlen im Originalton bringen muss:
Der Titel der UEFA-Strategie, die am 21. April 2005 in Tallinn vom UEFA-Kongress angenommen wurde,
lautet „VISION EUROPA“. Im Rahmen dieses Projekts wird „Strategie“ („strategisch“ usw.) folgendermassen definiert: „Ausrichtung und Entwicklung des europäischen Fussballs im kommenden Jahrzehnt.“
3.1.1 Die Welt und die Fussballwelt
Vorstellung einer idealen Welt…
• Eine vereinte Fussballfamilie – wenn der Fussball vereint ist, können wir ausserordentliche Dinge erreichen.
• Eine Fussballwelt, in der der Fussball höchste Priorität hat, die Entwicklung vorantreibt und die Tagesordnung bestimmt.
• Eine Welt, in der der soziale, erzieherische und kulturelle Nutzen des Fussballs und des Sports vollständig ausgeschöpft und gebührend geschätzt wird.
• Ein roter Faden, der stärker ist als je zuvor und sich durch die ganze Fussballwelt zieht, vom unbekanntesten zum bekanntesten Spieler der Welt – die Magie des Fussballs.
• Eine Fussballpyramide, die solider ist als je zuvor.
• Eine Welt, in der im Sinne des Allgemeinwohls eine Koexistenz und Zusammenarbeit zwischen dem Fussball und anderen Sportarten besteht.
5.2.12 Finanzielle Polarisierung
• Dieser Trend besteht nicht nur im Fussball, sondern in der Gesellschaft als Ganzes. Vereinfacht ausgedrückt kann der Trend folgendermassen zusammengefasst werden:
Tabelle 1: Finanzielle Polarisierung im europäischen Fussball
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Absolut |
Relativ |
| Reich wird reicher? |
Ja |
Ja |
| Arm wird ärmer? |
Nein |
Ja |
Anmerkung: Im Zusammenhang mit dieser Tabelle wird „reich“ mit „viel verdienend“ und „arm“ mit „wenig verdienend“ gleichgesetzt.
• Das Ergebnis einer solchen Polarisierung ist, dass Mannschaften, die höhere Einnahmen aus Wettbewerben erzielen, auch immer grössere Chancen haben, diese zu gewinnen, wodurch die Kluft noch grösser wird.
5.2.16 Schlussfolgerungen

Die erste und wichtigste Schlussfolgerung der Grafik 2 ist die Komplexität der Situation. In der Praxis
bedeutet diese Komplexität für die Strategie der UEFA, dass wir versuchen könnten, spezifische Trends
herauszufiltern und anzupacken – insbesondere jene, die als Probleme oder Gefahren für den europäischen Fussball einzustufen sind. Doch wie können wir ein einzelnes Problem anpacken, wenn es verschiedene Ursachen hat? Und wie können wir eine einzelne Ursache anpacken, wenn diese auch wiederum verschiedene Ursachen hat? Daraus können wir schliessen, dass ein Gesamtbild auch ganzheitliche Lösungen verlangt.
“Was denken Sie? UEFA bittet Sie um Ihre Meinung, die an vision.europe@uefa.ch gesendet werden kann.”
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“Es lebe das Leben”, aber es geht doch meist um den Tod.
So oder so ähnlich scheint das Thema von Coldplay zu sein, mit allem Pathos, der ihnen eigen ist, und ich erinnere mich, dass das Lied, das ich 2004 nach einem Todesfall im Autorepeat sicher 30 Mal hintereinander hören musste, auch von Coldplay war (”Everything’s Not Lost”)
Ich bilde mir ein, rauszuhören, dass mein alter Held Brian Eno die neue CD mitproduziert hat, das Hypnotische der Wiederholung ist auffällig stark und der Ohrwurm-Effekt macht durch öfteres Hören süchtig.
Aber apropos Tod: Auf dem Album geht es u.a. um “Cemeteries Of London”, und “Lost” z.B. wurde beim Livekonzert am 16.6. in London “Brian and Marcus” gewidmet - “you saved our lives” (hörte ich gestern Abend auf FM4). Dann geht es erst richtig los: “Those who are dead are not dead, they are living in my head” (”42″).
“Death And All Of His Friends”, der 2. Titel der CD, ist der 10. und Abschluss-Song, wie so oft ein Vehikel für die Nachricht, sich nicht zu sorgen und die Zeit für sich arbeiten zu lassen.
Der Titelsong hingegen, mitten drin zwischen den anderen, kommt auf Streicherfüßen und steigert sich ins Leben hinein, und der Text gibt mir einen weiteren Schlüssel: der König ist tot, es lebe der König - nichts Geringeres als die Jahreszeiten des Werdens und Sterbens werden hier thematisiert. Schön.
[Ein Klick auf “Media Player” startet übrigens die Musikwiedergabe]—>>>
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Kategorien: Musik
Im Segafredo an der Gersthofer Straße fühlt man sich zuweilen wie am Hafen. Ich denke, das liegt am bodennahen Ozon, das man riechen kann, wie am Meer. Die Autos und LKWs scheinen dann nicht vor der Ampel, sondern darauf zu warten, auf die Fähre auffahren zu dürfen. Es ist ein Kommen und Gehen, die blondierte Kellnerin mit starkem möglicherweise spanischen Akzent bringt einen Kaffee nach dem anderen, die weissgekleideten Arbeiter an den Tischen gehen mit etwas Phantasie als Matrosen durch. Und die Damen vom Damentisch stehen an wie für das letzte Klo auf dem Festland, bevor sie sich auf die Reise machen.
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19. Juni 2008 von Horst · 1 Kommentar
Worüber schreibt man an einem heißen Tag während der Fußball-EM? Der Eissalon Hof drängt sich da geradezu auf. Ich weiß zwar nicht, ob die Geschichte stimmt, aber angeblich hat dieser Eissalon früher mal dem Fußballer und Ex-Trainer der österreichischen Nationalmannschaft Erich Hof gehört. Herr Hof ist leider 1995 verstorben, und über die derzeitigen Besitzverhältnisse des Eissalons weiß ich leider rein gar nichts.
Der Eissalon befindet sich am Schottenring, gleich bei der Börse, Ecke Wipplingerstraße. Die Lage an diesem Ort bedingt es, dass ich regelmäßig an dem Eissalon vorbeikomme. Interessanterweise hat es gut 20 Jahre des Vorbeiradelns gebraucht, bis ich einmal abgestiegen bin und mir dort ein Eis gekauft habe.
Das Eis war so-so, aber über Geschmack kann man streiten. Zum Beispiel mag ich das Eis vom Schwedenplatz überhaupt nicht und kann über die Abertausenden, die dieses fette Zeug gut finden, nur verwirrt den Kopf schütteln. Beim Eissalon Hof schmeckt es mir immerhin besser als am Schwedenplatz.
Der Grund, warum man dieses Eiscafé aufsuchen sollte, ist aber keineswegs das Eis. Auch nicht der Kaffee, der durchaus brauchbar ist und sich als Alternative anbietet. Nein, der wahre Grund ist das Lokal selbst, das sich irgendwie aus den Sechziger Jahren in dieses Jahrtausend herübergerettet zu haben scheint. Von den roten Kunstledersitzen bis zur abgehängten Kasettendecke aus Plastik wärmt das schnieke Interiör mein Herz, das wohl in etwa gleich alt sein dürfte.
Beim Eis kann man über den Geschmack streiten, aber die Inneneinrchtung dieses Eiscafés überzeugt. Möge es uns noch länger erhalten bleiben und nicht das Schicksal des wenige Häuser weiter gelegenen Café Bartsch erleiden, das vor wenigen Monaten knapp vor dem 100. Geburtstag wegen Kundenmangel schließen musste. Also: Eis essen und sich an heißen Tagen vorübergehend wie in den Sechzigern fühlen.
Kategorien: Essen + Trinken · Orte
18. Juni 2008 von Sandra · 1 Kommentar

Es hat die letzten Tage zwar geregnet, aber unerschrocken nehmen wir uns das Wäldchen im Trentiner Tal Val di Sella (nahe Borgo Valsugana) mit seinen Naturkunstwerken vor, und lassen uns auch von den Touristenbussen (”Pullmann” auf Italienisch!) nicht abschrecken:
I. möchte unbedingt die “Wildschweine” sehen.
Marika vom einzig offenen Cafe (ich weiss nicht, ob sie so heisst, aber sie könnte) macht uns “mit viel Liebe” belegte Brote und lädt uns aufs Mineral ein. Dann stapfen wir los, und anfangs fotografiere ich noch jedes Sujet aus 3 Perspektiven, sodass natürlich wieder der Akku leer ist, als wir zu den Höhepunkten der Ausstellung kommen (La Cattedrale Vegetale, Après le chaos, L’acquedotto).
Die Wildschweine entpuppen sich zuerst scheinbar als Wölfe, und das sorgt für Erheiterung meinerseits, denn natürlich sind es Vierbeiner, sogar beides Säugetiere, was will man mehr an Übereinstimmung? Die ganzen Pappeln stellen sich daheim ja auch als Erlen und Buchen heraus. Aber die Wildschweine gibts wirklich, halt erst ziemlich zum Schluss, und da war, wie gesagt, der Akku leer.
Den ganzen Rückweg lang müssen wir dann leider über Männer reden, sodass wir nichts von der Landschaft mitbekommen. Wie das eben so ist.
Mehr Fotos auf Flickr.
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12. Juni 2008 von Sandra · 4 Kommentare
Zutaten:
- 15 Holunderblüten
- 2l Wasser
- 3kg Zucker
- 2 Zitronen
- 60g Zitronensäure
Zubereitung:
Wasser, Blüten und 2 in Scheiben geschnittene Zitronen 24 Stunden stehen lassen.
Abseihen, Zitronensäure und Zucker dazugeben, öfters umrühren, nocheinmal 24 Stunden stehen lassen.
In Flaschen abfüllen und kühl stellen.
(Aus “Unser Kochbuch” der Katholischen Frauenbewegung Obermais,
erhältlich im Pfarrbüro St. Georgen, Obermais/Meran)
Anmerkungen: Bis sich der Zucker gelöst hat, kann es schon eine Weile dauern und öfteres Rühren notwendig sein. Der Saft schmeckt super, mit Wasser verdünnbar ist er ungefähr 6:1 oder 7:1, wenn man ihn weniger süß mag.
Kategorien: Essen + Trinken
7. Juni 2008 von Sandra · 1 Kommentar
Allgemein bekannt ist die Justizanstalt Göllersdorf, in der geistig abnorme Rechtsbrecher einsitzen, und die u.a. in mir vertrauten Kreisen vor einigen Jahren traurige Berühmtheit durch den Mord an einer angestellten Psychologin erlangt hat.
Weniger bekannt ist das landschaftlich schöne Gebiet um den Weinviertler Ort, der Golfplatz im Schloß Schönborn, die sanfte Hügeligkeit, die feinen Heurigen der Umgebung und die Tatsache, dass nachbarschaftliche Verantwortung hier noch groß geschrieben wird und z.B. alleinstehende Frauen vom Zaun um den Vorgarten bis zum Schneeschippen nichts alleine machen müssen (und zwar ohne Gegenleistung!).
Die Margeriten sind schon am Verblühen, ebenso die Rosen, und schwerer Duft liegt in der Abendluft, als wir zum Heurigen nach Viendorf aufbrechen. Später singt die Amsel wie jeden Abend vom Dachgiebel, das kleine Lagerfeuer
lässt den Zweigelt im bauchigen Glas blutrot aufleuchten und wir starren in den Nachthimmel.
Während der Sichelmond zunimmt und die Wühlmäuse (vergiftet werden sie nicht, weil die Katzen sie fressen könnten) die Gartenstühle zum Einsinken bringen, erfahren wir die Freuden des eigenen Gartens am Lande.
Sommer ausserhalb der Stadt ist einfach. Und einfach gut.
Fotos auf Flickr.
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